
Die aktuelle Lage im Kosovo
Es gibt mehrere zehntausende Straßenhunde im Kosovo, allein in der Hauptstadt Pristina weit mehr als 10.000, die Straßen sind über und über voll von überfahrenen, verwesenden Tierkadavern.
Die Kommunen versuchen erfolglos der Lage Herr zu werden durch Massenerschießungen!
(Eine unmenschliche und grausame Art der „Eliminierung“ von Straßenhunden in einem Land, in dem die Bevölkerung, und vor allem die Kinder heute noch unter dem Trauma des erlebten Krieges leiden!!!)
Viele Tiere werden dabei verwundet und sterben oft erst nach tagelangem Leiden! Welpen von überfahrenen oder erschossen Hündinnen bleiben zurück und gehen hilflos zu Grunde!
Auch Hunde die jemandem gehören streunen meist unkontrolliert herum, sind nicht kastriert und tragen so zur weiteren Verschärfung des Problems bei! Straßenhunde werden aus Unwissenheit und Angst, oft auch aus Dummheit gequält!
Tollwut ist im Kosovo noch ein Thema!
Die Massenerschießungen der Straßenhunde sind nicht nur grausam, unmenschlich und illegal, sie sind in keinem Gesetz oder Verordnung der Republik Kosovo gedeckt, sie sind vor allem auch wirkungslos!
Nach Jahren der Vollziehung dieser grausamen Art der „Eliminierung“ von Straßenhunden gibt es auf den Straßen des Kosovo nicht einen Hund weniger!
Stimmen im eigenen Land die diese Missstände anprangern werden nicht gehört!
Sie, und vor allem die Tiere brauchen unsere Unterstützung!
Wir möchten bessere Lebensbedingungen für die Tiere im Kosovo schaffen, ein Ende der grausamen und unmenschlichen Massenerschießungen und des damit verbundenen Leides der Tiere und eine effektive und wirkungsvolle Lösung der Probleme auf eine menschliche Weise, entsprechend europäischen und internationalen Empfehlungen und Standards erwirken.
Wir sind diesbezüglich bereits in Verhandlungen mit den zuständigen Behörden (Landwirtschaftsministerium, Veterinäragentur, Kommunen) und werden erste direkte Gespräche vor Ort Ende Mai stattfinden, mit dem Ziel Übereinkommen zu erzielen über:
· die Abschaffung der Massenerschießungen der Straßenhunde
· Organisation von Kastrationsaktionen
· Impfung der kastrierten Tiere gegen Tollwut
· Markierung der kastrierten und geimpften Tiere mit numerierten Ohrmarken
· Registrierung der markierten Tiere
· Schulung von lokalen Tierärzten während der Kastrationsaktionen
· Aufbau eines Systems, das von lokalen Tierärzten das ganze Jahr hindurch weiterkastriert wird
· Aufklärung der Bevölkerung mittels Medienkampagnen und Infoständen über die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Kastrationen, über das Verhalten im Umgang mit Straßenhunden, über verantwortungsbewusste Tierhaltung und wie jeder einzelne zur Verbesserung der Situation beitragen kann
· Kampagnen in Schulen zur Bildung der Kinder – sie sind die Zukunft des Landes
· weitere Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Hilfestellung um parallel zu unserem Projekt ein funktionierendes System zur Lösung des Problems im Kosovo aufzubauen
Wir arbeiten mit Hochdruck an der Sache und hoffen, dass wir – auch mit Ihrer Hilfe und Unterstützung – die erste Kastrationsaktion noch im Herbst dieses Jahres durchführen werden können!
Bitte helfen Sie uns damit wir gemeinsam den Tieren helfen können!
Christine, Projektleitung "KOSOVO"
Juli 2009
Wir waren im Mai wieder im Kosovo und mussten leider feststellen, dass sich die Situation für die Straßenhunde akut verschärft hat:
Es gibt im Kosovo zwar bis dato keine Tötungsstationen für Straßenhunde, allerdings finden das ganze Jahr über von den Gemeinden organisierte und von der Jägerschaft ausgeführte Massenerschießungen statt.
Leider kommt es im Kosovo – auch aus menschlichem Fehlverhalten – immer wieder zu Zwischenfällen mit Kindern/Hunden. Als einer davon im März dieses Jahres für einen 8-jährigen Jungen tödlich endete, eskalierte die Lage. Es gab geschürte Debatten in Radio und Fernsehen, die Gemeinden gerieten durch die Bevölkerung verschärft unter Druck, der Ruf nach Tötungsstationen wurde laut und eine neue Welle an Massenerschießungen war die Folge.
Gerade jetzt befindet sich die Situation im Kosovo an einem Scheidepunkt. Wir haben es in der Hand, jetzt die Weichen zu stellen für eine bessere Lösung des Problems in der Zukunft, wir können jetzt durch ein positives Beispiel und das Aufzeigen von neuen Wegen und Lösungen die Errichtung von Tötungsstationen im Kosovo verhindern und die grausamen und unmenschlichen Massenerschießungen stoppen. Es ist leichter (illegale) Erschießungen zu stoppen als die Schließung einmal errichteter Tötungsstationen zu erreichen!
Das Tierheim Kosovo ( www.kosovodogshelter.eu.tt ), das bereits seit vielen Jahren versucht gegen die grausamen und unmenschlichen Erschießungen anzukämpfen, braucht Hilfe und Unterstützung von außen, da die Stimmen im eigenen Land nicht gehört werden!
In Zusammenarbeit mit dem Tierheim Kosovo, das über die nötige Infrastruktur (wie Operationsräumlichkeiten, Räume zur Unterbringung und Versorgung der Tiere vor und nach der Operation) verfügt, werden wir jetzt im Herbst – auch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde – die erste Kastrationsaktion in der multiethnischen Gemeinde Lipjan starten.
Wir legen dabei auch verstärkt Wert auf eine Verbesserung der Situation zwischen Hunden und Kindern und haben dazu eine Broschüre entworfen, um den Kindern das richtige Verhalten im Zusammentreffen mit Straßenhunden nahe zu bringen. Ein weiterer Schwerpunkt ist auch die Aufklärung der Bevölkerung mittels einer weiteren Broschüre, um eine möglichst hohe Akzeptanz des Projektes zu erreichen.
Und wir können der Bevölkerung durch ein positives, erfolgreiches Beispiel zeigen, dass es – auch trotz schwieriger Lebensumstände – wichtig ist, sich an etwas zu erinnern, dass auch tief in der albanischen Kultur verwurzelt ist: Nämlich die Verantwortung der Menschen für die Tiere. Schon im Kanun – dem Gewohnheitsrecht der Albaner aus dem 14./15. Jahrhundert – ist verankert:
„ Jedem Hund gebührt seine eigene Hütte.
Sie dient zum Schutz des Hüters des Hauses.“
Was nichts anderes bedeutet, als dass wir auch für die Tiere verantwortlich sind.
Sie sind lebende Wesen und sie verdienen unseren Respekt
und sie brauchen unsere Hilfe!
Wir werden vom 15. bis 29. August wieder im Kosovo sein, um die noch zahlreichen Arbeiten für den Start des Kastrationsprojektes im Herbst zu erledigen und bitten Sie DRINGEND um finanzielle Unterstützung . Wir haben hier die Chance mit diesem Pilot-Projekt auch ein Beispiel für all die anderen Gemeinden im Kosovo zu setzen!!!
Auch mit Sachspenden können Sie uns helfen:
Für das Projekt Kosovo benötigen wir noch
- Flugboxen für große Hunde (können auch leicht beschädigt sein)
- Hundefutter (welches wir Mitte August mit in den Kosovo nehmen können)
Sie können sich auch gerne an uns wenden, wenn Sie das Projekt Kosovo aktiv durch ihre persönliche Mithilfe unterstützen wollen.
Kontakt : Christine Sengl, Tierhilfe Süden Austria e.V., Projektleitung Kosovo
christine@tierhilfe-sueden-austria.at
sengl@A1.net
Tel.: +43 664 2406040
September 2009
Auch vom 15. bis 30. August waren wir wieder im Kosovo und konnten die noch zahlreichen Arbeiten für den Start des Kastrationsprojektes im Herbst erledigen.
Und wir haben es geschafft:
WIR WERDEN – als erste Tierschutzorganisation die im Kosovo tätig ist
vom 28.9. bis 4.10.2009 DIE ERSTE KASTRATIONSAKTION IM KOSOVO DUCHFÜHREN!!!
und bitten Sie DRINGEND um finanzielle Unterstützung.
Wir haben hier die Chance mit diesem Pilot-Projekt auch ein Beispiel für all die anderen Gemeinden im Kosovo zu setzen!!!
Wenn Sie das Projekt KOSOVO aktiv durch Ihre persönliche Mithilfe unterstützen wollen, bitte wenden Sie sich an uns, wir sind für jede Mithilfe dankbar!
Kontakt: Christine Sengl, Tierhilfe Süden Austria e.V., Projektleitung Kosovo
christine@tierhilfe-sueden-austria.at
sengl@A1.net
Tel.: +43 664 2406040
1. erfolgreiche Kastrationsprojekt im Kosovo vom 28.9. bis 4.10.2009
Am 25.9.2009, nachts, habe ich mich wieder auf den Weg in den Kosovo gemacht. Mit 200kg Hundefutter und sämtlichem medizinischen Zubehör für die Kastration von ca. 100 Hunden im Gepäck.
Nach meiner Ankunft am Samstag Morgen musste zuerst mal alles ausgeladen, sortiert und in der Klinik eingeräumt werden. Weiters musste eine Unterkunft für den Tierarzt, die Veterinärstudentin und mich gefunden werden. Diese fand ich gleich 2 Gehminuten vom Tierheim entfernt. Die Zimmer waren soweit ok, das Quartier war günstig, und ich wurde gleich mit dem kosovarischen Alltag vertraut, was in meinem Fall hieß: 3 Stunden Strom, 3 Stunden keinen. Kein Strom = Kein Wasser.
Schon ein einziger Blick in die Quarantänestation zeigte, dass es noch viel zu tun gibt für uns - auch nach dieser Woche. Die halbe Quarantänestation war voll mit Welpen die in den letzten Tagen/Wochen von der Straße aufgelesen wurden. Alles Weibchen. Viele Leute hier behalten sich die Männchen und schmeißen die weiblichen Welpen einfach auf die Straße.
Am Montag um 8.30 gings dann los. Trotz späten Starts und auch ohne weitere Hilfe, konnten wir an diesem ersten Tag 12 Hunde kastrieren.
Am nächsten Tag läutete mein Wecker bereits um 5 Uhr morgens, da die Veterinärstudentin Johanna Painer mit dem Bus aus Wien in Pristina um 6 Uhr ankommen sollte. Vom Busbahnhof gings direkt ins Tierheim und auch gleich los. Mittlerweile waren wir ja mit der Klinik schon vertraut und nun hatten wir auch noch eine weitere professionelle Hilfe!
Wie bereits bei meinen vorherigen Aufenthalten im Kosovo bemühte ich mich auch diesmal wieder um einen Termin beim Bildungsminister um zu erreichen, dass eine Unterweisung der Kinder im richtigen Umgang/Verhalten mit Straßenhunden im Schulplan verankert wird, zur Vermeidung der immer wieder vorkommenden Zwischenfälle zwischen Kindern und Straßenhunden. Diesmal gelang es auch einen Termin zu bekommen, doch als Florim (einer der Tierheimbetreiber) und ich pünktlich im Büro des Ministers erschienen konnte uns dieser aufgrund dringlicher Sitzungen im Parlament leider nur die Hand schütteln und erklärte uns, dass er leider nicht eine Minute für uns hätte. Aber wir geben nicht auf und werden es natürlich weiter versuchen, da wir die Aufklärung der Kinder als sehr wichtig empfinden !
Nachdem alle bereits im Tierheim wartenden Straßenhunde kastriert waren, mussten nachts weitere Hunde eingefangen werden, was keine leichte Aufgabe ist, da die Hunde sehr scheu sind und die letzten zwei Nächte es auch noch regnete. Florim und Nexh (die beiden Tierheimbetreiber sowie die Söhne von Nexh, Lis und Shpend und auch die Arbeiter Esat und Flamur waren jede Nacht stundenlang unterwegs um Hunde zu fangen).
Am Mittwoch mussten wir entdecken, dass unter den eingefangen Hunden auch ein sehr alter Hund war, der keine Zähne mehr hatte, sehr krank war und sich auch in einem sehr schlechten Allgemeinzustand befand. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber uns dann doch schweren Herzens entschlossen ihn einzuschläfern und von seinen Leiden zu erlösen.
Am Donnerstag, als wir schon alle Hunde kastriert hatten, stellten wir fest, dass die letzte kastrierte Hündin blutete. Wir mussten sie in einer einstündigen Notoperation noch mal öffnen und nach der Ursache suchen. Gerade an diesem Tag war es (nach bisherigen sommerlichen Temperaturen) ziemlich kalt und nass. Durch die lange zusätzliche Operation war die Hündin sehr ausgekühlt und wir richteten für sie ein Speziallager mit guter Isolierung von unten, jeder Menge Decken und stellten vor ihre „Höhle“ einen Heizstrahler. Nach dem Abendessen fuhren wir nochmals ins Tierheim und konnten zu unserer Erleichterung feststellen, dass mit der Hündin alles in Ordnung war.
Die Hunde – die für die Kastration eingefangen wurden – werden wieder an ihre angestammten Plätze zurückgebracht. Als wir uns Sonntag Abend wieder auf den Weg zurück nach Wien machten, machte sich die Crew des Tierheims gerade bereit die erste Gruppe der Hunde wieder an ihre angestammten Plätze zurückzubringen.
Wir konnten in dieser Woche 72 Hunde kastrieren, was besonders in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um die erste Aktion dieser Art im Kosovo handelte und natürlich sich erst alles einspielen musste, doch eine absolut gute Leistung ist. Und vor allem – ES IST EIN ANFANG!
Wenn man die vielen Straßenhunde sieht die täglich ums Überleben kämpfen, die vielen Tierkadaver auf den Straßen, die vielen Welpen die immer wieder verlassen aufgefunden werden und die – wenn sich keiner ihrer annimmt – elend zu Grunde gehen, dann MUSS man einfach etwas unternehmen.
Die Mehrzahl der von uns kastrierten Hunde waren Weibchen, wir konnten somit vielen Welpen ersparen in eine Welt geboren zu werden wo ein Großteil von ihnen zum sterben verurteilt ist und der Rest zum täglichen Kampf ums Überleben.
Wir danken vor allem Tierarzt Dr. Nikolai Mehandjiiski, der angehenden Tierärztin Johanna Painer, Florim, Nexh, Lis, Shpend sowie Esat und Flamur, alle vom Tierheim Kosovo.
Und unser ganz besonderer Dank gebührt natürlich Ihnen, denn Ihre Spenden haben es erst möglich gemacht, dass wir auch im Kosovo – wo sich sonst niemand für die Tiere einsetzt – helfen können.
Aufgrund der Tatsache, daß das gesamte Tierheim ohne Heizung ist und die Wetterbedingungen in etwa gleich wie hier sind, ist eine größere Aktion erst im Frühjahr 2010 wieder realistisch. Es wird mit unseren Medikamenten in kleinerem Rahmen auch jetzt weiterkastriert. Das Tierheim konnte einen jungen engagierten Tierarzt für sich gewinnen (der uns auch die Stempel für die Pässe der mitgenommenen Hunde gab) der das Tierheim nun betreut.
Die Flyer wurden während unserer Kastrationswoche gerade in Druck gegeben und wurden mittlerweile - wie mir von Florim bestätigt wurde - auch fertig an das Tierheim ausgeliefert. Ich hatte ca. 150 Ausdrucke der Flyer mit und habe diese auch verteilt.
Wir hoffen, dass sie uns auch weiter unterstützen werden das Tierleid im Kosovo zu mindern, wir jedenfalls wollen und können nicht aufgeben, nachdem wir gesehen haben, mit welchem Vertrauen uns diese Straßenhunde begegnet sind, obwohl sie doch immer wieder von Menschen verjagt und verscheucht werden.
Bitte helfen Sie uns mit Ihren Spenden !
Christine Sengl,
Projektleiterin Kosovo